Liebe und Krieg

Vor dem Krieg war Vlada Besitzer des größten Hauses in Jatagan Mala, Belgrad. Er arbeitete mit Stahl und wurde ausgewählt, Palata Albanija zu errichten, wodurch er sich nicht nur einen guten Ruf verdiente, sondern auch Neid auf sich zog. Sein Nachbar, der dem gleichen Beruf nachging, war eifersüchtig und forderte ihn zum Poker heraus – mit dem Einsatz ihres halben Hauses. Doch Vlada hatte Glück und gewann mit drei Assen. Da jeder von dem Einsatz des Spieles gehört hatte, hatte der Nachbar keine Wahl, als Vlada die Hälfte seines Hauses zu überlassen.

Vlada hatte drei Töchter. Die Jüngste, Vukosava, kurz Vuka, war 18 Jahre alt, als der Krieg begann.

Während dieser Zeit waren ihre beiden Schwestern bereits verheiratet. Rada, die ältere, hatte zwei Töchter und einen Sohn und Dara, die jüngere, gebar ihre erstes Kind im März 1941. Einen Monat später zogen die Deutschen in Belgrad ein und die Familie wurde in ein Konzentrationslager geschickt.

Vukas Haut war wesentlich heller als die ihrer Familie und ein deutscher Soldat fragte sie mehrmals, ob sie wirklich eine Romni sei. Als sie dies nicht abstritt, schickte er sie zur Arbeit in die Küche. Wann immer sie die Chance hatte, versteckte sie beim kochen Essen unter ihrer Kleidung, um es den Kindern zu geben. Als der Krieg vorbei war, war ihr Körper mit Brandnarben überdeckt.

Der deutsche Soldat bemerkte, wie sie Essen schmuggelte, doch verriet sie nie. Manchmal ließ er Essen auf seinem Teller für sie zurück, da er wusste, dass sie nicht genug aß.

In der Küche konnte Vuka weiterhin die Gespräche der Soldaten belauschen. So erfuhr sie, wenn die Deutschen verkündeten, dass sie planten, an einem Tag 20 Leute zu ermorden. Sie hörte auch, wenn die Serben vorschlugen, stattdessen gleich 100 Personen zu erschießen. Jedes Mal ging sie und warnte ihre Leute. Und jedes Mal würden sich die alten Menschen zuerst in die Reihe stellen, um ausgewählt zu werden und sich für ihre Kinder und Enkelkinder zu opfern.

Vuka erzählte dem deutschen Soldaten, dass Radas dreijähriger Sohn Jovan ihr eigener Sohn sei, um ihn zu beschützen. Wenn ihre Familie sie fragte, warum sie genau Jovan wählte, so meinte sie, dass er die Zukunft sei, welche den Namen der Familie weitertragen wird.

Sie half weiterhin zwei Frauen im Konzentrationslager bei der Entbindung, einer Romni und einer serbischen Frau. Sie nannte die Kinder Ratomir und Ratomirka, was bedeutet im Krieg geboren, um in Frieden zu leben.

Als der deutsche Soldat zurück nach Deutschland geschickt wurde, gab Vuka ihre Schuhe zu ihrer Schwester, woraufhin der Soldat ihr seine Schuhe gab.

Abgesehen von ihrem Vater Vlada, welcher nach Polen geschickt wurde und nie wieder gesehen wurde, hatte ihre Familie Glück und überlebte das Konzentrationslager.

Nach dem Krieg arbeitete Vuka für die Stadtreinigung, wo sie Branislav traf. Sie heirateten und bekamen fünf Töchter und einen Sohn, welcher im Kindesalter starb.

17 oder 18 Jahre nach dem Krieg trafen sich Jovan und Ratomirka wieder. Auch sie heirateten und wurden Eltern von sechs Töchtern und einem Sohn.