Geschichten von Frauen

Narcisa, 29

„Ich bin wegen dem Leid gegangen. Ich hatte nichts zum leben hier. Dort haben sich die Leute an mich gewöhnt und mir Geld gegeben, sie haben sich um mich gekümmert. Ich habe für einen Sommer in Schweden gelebt, bis die Schule begann. Wenn sie gesehen hätten, in welchen Umständen meine Kinder leben, hätte das Jugendamt sie mir weggenommen.

Ich saß vor dem Supermarkt mit einem Plastikbecher in der Hand. Ich sagte: Hi! Hi!, und sie würden so viel sie wollten in den Becher geben. I three Bebe! (Foto zeigend), und sie verstanden mich. Sie fragten mich, wie alt meine Kinder seien und ich zählte es ihnen mit den Fingern vor. Sie brachten mir Kleidung und Windeln für meine Kinder. Sie fragten mich, was ich vom Supermarkt brauche und sie kauften es für mich. Ich möchte wieder dort hingehen, aber ohne die Kinder. Aber ich habe niemanden, der sich hier in Rumänien um sie kümmert.“

Narghita, 40

„Ich war in Italien, Norwegen, Frankreich, Dänemark, England und Belgien. In Italien war ich während der Apfelsaison. Ich habe auf der Obstplantage gearbeitet. Nach zwei Tagen waren die Äpfel auf einer Seite rot und wir haben etwas auf der anderen Seite injiziert. Ich habe einen Bissen gekostet, aber sie hatten keinen Geschmack. Danach bin ich Erdnüsse ernten gegangen, und Mandarinen. In England habe ich in einem Restaurant Geschirr gespült, aber ich bin nur für 6 Monate geblieben. Nur in Norwegen habe ich versucht zu betteln, aber ich konnte es nicht. Ich habe geweint und konnte mich nicht hinknien, ich musste wieder aufstehen. Ich habe auf einer Bank am Bahnhof geschlafen. Dann habe ich einen Wohnwagen gefunden. Ich hatte solche Angst! Es war ein verlassener Wohnwagen, auf dem Boden lagen Spritzen. Ich habe ihn sauber gemacht und wir begannen, dort zu leben. Ich dachte, wie viel Glück wir doch haben! Doch in der Nacht sind sie gekommen um Feuer zu legen, sie haben Molotov Cocktails und Steine durch die Fenster geworfen. Als wir nach Frankreich kamen sagten wir, dass wie Flüchtlinge aus Moldawien sind, Sie haben uns eine Unterkunft gegeben und wir blieben dort für ein paar Monate. Als ich draußen den Rauch aus dem Schornstein gesehen habe, hat mich die Sehnsucht nach zuhause gepackt. Jetzt wollen wir nichtmehr weg hier. Es ist hart, nicht zuhause zu sein. Wir verkaufen Gemüse im Sommer und meine Schwiegermutter schickt uns all ihr Geld aus Italien.“

Cipi, 37

„Ich war nie im Ausland, aber ich denke darüber nach, da mein Mann sehr krank ist und nicht arbeiten kann. Noch diesen Monat, vor dem 20., will ich nach Schweden gehen. Es wäre großartig, wenn ich Arbeit finden würde. Dann müsste ich nicht betteln. Ich bete zu Gott, dass ich eine alte Frau finde, um die ich mich kümmern kann, damit ich mich nicht hinknien muss, um zu betteln. Die Leute dort sind großzügig, habe ich gehört, nicht so wie die Leute hier. Wenn ich 300 bis 400 Kronen am Tag verdiene sind das 100 Millionen (alte Leu, ca. 2220 Euro) im Monat und wir könnten ein Haus bauen. Ich lebe in einem Zimmer mit meinem Mann und vier Kindern und die Mädchen sind schon groß, sie sind 15 und 19 und wollen waschen, ihre Kleidung wechseln… aber ihr Vater kann nicht aus dem Zimmer gehen, weil er krank ist. Ich habe solche Angst. Was ist wenn mir dort irgendetwas passiert? Deswegen bete ich zu Gott, mir Mut zu geben.“